An das Europa-Parlament Strassburg 
07. September 2001 (cen)
EURO-Einführung - auch bis heute fehlende Kontrollmechanismen

 

Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren,
 
zur EURO-Einführung beobachten wir, dass wohl mit grossem (finanziellen) Aufwand die Währung und deren Nutzen für die Gemeinschaft aus marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten erklärt wird. Auch cenjur ist der Ansicht, dass der EURO eine gute und richtige Entscheidung für die Gemeinschaft war und ist, um auch auf diese Weise einen Gegenpol zum Dollar zu bilden. Was uns jedoch mit Sorge erfüllt ist die Tatsache, dass keine Kontrollmechanismen vorzufinden sind. Lassen Sie mich das Problem kurz anhand von BSE darstellen:
 
Die COPA war keine Kontrollen gewohnt - Als die Gemeinschaft 1972 "schnell noch vor dem Beitritt Englands und Irlands" den Mansholt-Plan umsetzte und wir von einem 400.000 Tonnen Rindfleischimport auf einen subventionierten 800.000 Tonnen Fleischexport kamen, versäumten es die EU und Bauernverbände Kontrollmechanismen einzuführen. Man bediente sich ohne Kontrollmechanismen aus vollen EU-Töpfen. Welch fatale Ausmasse dieser Fehler genommen hat, müssen wir heute feststellen. Der Agrar-Markt ist total zusammengebrochen und muss völlig neu geordnet werden (zurück zur Politik der 60er Jahre!).
 
 Die "Gunst der Stunde" nutzend "zocken" nun in geradezu unverschämter Weise nicht etwa die leidtragenden Bauern und Einzelhandelsgeschäfte den Verbraucher ab, sondern Grossmärkte wie WAL-Markt, Mini-Mal, EDEKA, TOOM, METRO, um nur einige zu nennen. Diese Grossmärkte erhöhten nicht nur ihre (im Gegensatz zum Einzelhandel vor Ort) Fleisch-, sondern auch gleichzeitig Preise für Dinge des täglichen Lebens. Während Einzelhandelsgeschäfte gar Fleischqualität auf Wunsch zertifizieren (!) und so dem Verbraucher ein echtes Preis- Leistungsverhältnis bieten, bedienen sich Grossmärkte einfach nur der Tatsache des Markteinbruchs. Auch hier und heute keine Kontrolle, kein Verbraucherschutz - auf der Strecke bleiben Mittel- und Kleinbetriebe. Missmanagement, auch das der nationalen Regierungen, des Rats, der Kommission und des Parlaments, trägt der Verbraucher.
 
Wie lange noch soll das auf diese Weise gehen, wie lange noch wird tatenlos zugesehen, wie weit noch sollen Wahlbeteiligung und Interesse des Bürgers an Europa zurückgehen? Beginnen Sie, jetzt, heute, hier, schaffen Sie mit Einführung des EURO auch Kontrollmechanismen zum Schutz des Verbrauchers. Sie sind das Parlament, die Vertretung des Unionsbürgers.
 
Gudrun Seidl, cenjur
CE juristisch-politisches Info-Magazin