Ausschnitt aus "Der Nürnberger Prozess" www.science-explorer.de/geschichte/nuernbergerprz.htm:

 

Rudolf Heß in Nürnberg, das war eine Sensation. Heß war Hitlers Stellvertreter in der Partei gewesen. Plötzlich, im Frühjahr 1941, verschwand er aus der Öffentlichkeit. Es hieß, dass er im Zustand geistiger Umnachtung nach Schottland geflohen sei. Der Flug stimmte, nicht aber die geistige Umnachtung. Hitler wollte sich vor dem Überfall auf die Sowjetunion den Rücken frei halten und spekulierte über einen Sonderfrieden mit England. Es ist bis heute nicht ganz klar, ob Heß im Auftrage Hitlers nach England flog, oder aus eigenem Antrieb. Vielleicht wollte er Hitler beeindrucken, oder er sah die Gefahr eines Zweifrontenkrieges und dass Deutschland nicht in der Lage sein würde, auf diese Weise den Krieg erfolgreich zu führen. So handelte er vielleicht eigenmächtig, aber darüber kann man viel spekulieren. Großbritannien jedenfalls ließ sich auf keine Verhandlung ein. Heß wurde bis Kriegsende interniert. Dieser Umstand rettete ihn später vor dem Galgen, obwohl sein Sündenregister ziemlich lang war. 

 

Diesen Text fand ich über die Suchmaschine google, als ich Informationen zum Thema "Öffnung der Geheimarchive" suchte, das derzeit am Forum der CDU, Forum Innenpolitik, diskutiert wird. Es ist für mich erschreckend hören zu müssen, dass es irgendwelche Geheimarchive der Alliierten gibt, die noch nicht geöffnet wurden. Es wurde aber bereits (ab)geurteilt, nach deutschem und Völkerrecht eigentlich undenk- und unfassbar. Vielleicht beginnt endlich die authentische, korrekte Aufarbeitung, wenn in 2003 der Vatikan wenigstens Teile seiner Geheimarchive öffnet. So fanden wir dazu diese Meldung:

 

"...Der Vatikan hat überraschend eine teilweise Öffnung seines Geheimarchivs mit Dokumenten aus dem Pontifikat Pius XI. angekündigt. Vom 1. Januar 2003 an sollen der Forschung sämtliche Papiere über die Beziehungen des Kirchenstaates zu Deutschland in den Jahren 1922 bis 1939 zur Verfügung stehen..." 

 

Der nachfolgende Bericht zu Rudolf  Heß ist den Seiten der PH Freiburg entnommen und stimmte mich äusserst nachdenklich. Wenn der Link nicht mehr funktioniert, wie das leider mit Internetseiten so oft der Fall ist, wissen Sie, warum ich den Text hier komplett einstellte. Ich war der fälschlichen Ansicht, dass Heß bis Ende des WK Hitlers Stellvertreter war. Ebenso dachte ich, "Mein Kampf" sei ca. 1933 entstanden, aber nicht 1924. Das musste mir peinlicherweise eine französische Politik-Studentin sagen, die am Goetheinstitut ihr Deutsch-Diplom ablegte. So wenig weiss man von deutscher Gesichte - beschämend...

 
 

Wer für den Frieden eintritt und diesen armen alten Mann nicht erwähnt, ist unglaubwürdig

Der Fall Hess ist eine Schande für jene, die daran schuldig sind.

 

Pädagogische Hochschule Freiburg (wie ich am 01.08.02 feststellen musste, ist die Seite nicht mehr aufrufbar. Interessant)

 

Bis zu seinem dramatischen Flug nach Großbritannien im Mai 1941 war Rudolf Heß zweiter Vorsitzender der NSDAP. Im 1. Weltkrieg hatte Heß im gleichen Infanterieregiment wie Hitler und später als Offizier in der kaiserlichen Luftwaffe gedient. Anfang der 20er Jahre schloß sich Heß der frisch gegründeten NSDAP an und nahm 1923 am Hitler-Putsch teil, dem Versuch, die bayerische und die Reichsregierung zu stürzen. Nach dessen Scheitern mußte er zusammen mit Hitler eine Festungshaftstrafe in Landsberg verbüßen. Es war Heß, dem Hitler sein Buch "Mein Kampf" diktierte. Nach der Entlassung aus der Haft spielte Heß eine führende Rolle beim Wiederaufbau der Partei, wurde Vorsitzender ihres Politischen Zentralkomitees und Obergruppenführer der SS.1933 wurde Heß in den Reichstag gewählt und zum Minister ohne Geschäftsbereich in Hitlers erstem Kabinett ernannt. Als stellvertretender Parteivorsitzender war er nach Hitler und Göring die Nummer 3 in der Parteihierarchie. Heß bewunderte Hitler wie einen Gott. Bei den Nürnberger Parteitagen der NSDAP war er es, der die Parteimitglieder zu immer größeren Lobpreisungen des Führers antrieb. 

Heß mag Hitlers Einschätzung geteilt haben, daß ein Krieg zwischen England und Deutschland aus rassischen und geopolitischen Gründen unerwünscht sei. Am 10. Mai 1941 verblüffte er den Führer und die Partei mit seinem heimlichen Flug nach Schottland. Vielleicht wollte Heß mit seinem Flug einen Monat vor dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion einen diplomatischen Coup landen - Friedensschluß mit England und Abwendung des drohenden Zweifrontenkrieges. Die volle Wahrheit wird vielleicht nie ans Licht kommen. Die Engländer gingen nicht auf Heß' Friedensvorschläge ein und nahmen ihn in Haft. In Deutschland erklärte ein wütender Führer seinen ehemaligen Stellvertreter für verrückt. Bei den Nürnberger Prozessen wurde Heß, der bereits psychiatrisch untersucht worden war, 1946 wegen Verbrechen gegen den Frieden angeklagt und zu lebenslanger Haft verurteilt. Bei seinem Tod am 17. August 1987 war er der letzte und viele Jahre lang einzige Insasse des Spandauer Militärgefängnisses.

"Rudolf Heß wollte1941 unter Einsatz seines Lebens den europäischen Frieden retten, ehe der europäische Konflikt zum Zweiten Weltkrieg ausgeweitet wurde. "Der "rechtsgerichtete Londoner Daily Expreß hat mit dem Abdruck einer Serie "Der Mann, den die Welt für alle Zeiten eingesperrt hat" eine neue Kampagne für die Freilassung von Rudolf Heß begonnen. Der Verfasser, James Douglas-Hamilton, stützt sich weitgehend auf die bis dahin unbekannten Aufzeichnungen seines Vaters, des Herzogs von Hamilton, den Heß bei seinem Alleingang als wichtigen Verbindungsmann zur britischen Krone und zur Londoner Regierung für seinen Friedensplan einspannen wollte. Die treibende Kraft hinter der Heß-Mission war, wie Hamilton darlegt, der Berliner Geopolitiker, Diplomat und zeitweilige Berater Ribbentrops im Auswärtigen Amt, Professor Albrecht Haushofer." (Süddeutsche Zeitung 27.4.1971 dpa). Im Nürnberger Gefängnis las er am meisten: durchschnittlich zwei Bücher am Tag, von Edgar Wallace bis Rudolf Pechel. (Burton C. Andrus: "I Was the Nuremberg Jailer") Im Nürnberger Prozeß wurde er zu lebenslänglich Gefängnis verurteilt. Heß weigerte sich, irgendein Familienmitglied zu sehen. (Über ihn hat die "Hilfsgemeinschaft für Rudolf Heß" viel umfangreiches, lesenswertes Material herausgegeben.)

Dolomiten-Chefredakteur Dr. Josef Rampold kommentierte: 40 Jahre Rache - In Zusammenhang mit der Erinnerung an die Vollstreckung der Todesurteile im Nürnberger Prozeß ist auch der Sonderfall des Rudolf Heß zu sehen, der seit nunmehr über vierzig Jahren gefangengehalten wird - ein halbblinder Greis, der an der Schwelle zum Jenseits steht. - Gewiß, Hess war in einer entscheidenden Phase an unheilvollen Entschließungen der damaligen Reichsregierung beteiligt, aber gerade er war es, der in einem tollkühnen Alleingang - durch seinen Flug nach England - den Frieden herbeiführen wollte. Das dies nicht gelang, war nicht seine Schuld. Aber während andere, die zuweilen sogar offen zur Gewalt aufrufen, den Friedensnobelpreis erhalten, nimmt die Rache an Hess kein Ende. Dabei muß gesagt werden, daß die deutsche Bundesregierung nichts unversucht gelassen hat, um den alten Mann den Seinen zurückzugeben; aus allen politischen Lagern haben sich Befürworter gefunden - aber von der Seite der Sowjetunion kommt seit eh und je das starre "Njet". 

Da ist so viel vom Frieden die Rede, aber der Name Hess wird kaum je genannt. Und wer für den Frieden eintritt und diesen armen alten Mann nicht erwähnt, ist unglaubwürdig, in einer Zeit, in der Raubmörder und andere Verbrecher nach einer gewissen Zeit mit Gnade rechnen können. Der Fall Hess ist eine Schande für jene, die daran schuldig sind. (16.10.1986). Heß war der letzte Häftling im alliierten Kriegsverbrechergefängnis in Spandau. Er starb 1987. 

 

 

bei Google.de gefundene Erzählung Kaden

Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozesse