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* 100 Millionen Euro als Startschuss durch die EU
* Schlüssel zu einem riesigen Wachstumsmarkt
* Raumfahrtunternehmen Astrium will dafür Satelliten bauen
[06.04.2001 - 15:40 Uhr]
München (ots) - Nach langem Tauziehen der Verkehrsminister der Mitgliedstaaten der
Europäischen Union sind gestern die Würfel gefallen: Das europäische
Satellitennavigationssystem 'Galileo' wird gebaut. Damit werden die
Europäer ab dem Jahr 2008 über ein hochmodernes und voll
funktionsfähiges eigenes orbitales Navigationssystem aus 30
Satelliten verfügen, das als zuverlässige Infrastruktur zivilen und
privatwirtschaftlichen Zwecken dient.
Dr. Klaus Enßlin, Vorstandsmitglied bei Europas Raumfahrtkonzern
Astrium, begrüßte diese Entscheidung: "Als eine Investition in die
europäische Infrastruktur wird Galileo neue Lösungen für die
Verkehrslenkung und den Umweltschutz ermöglichen und damit einen
riesigen neuen Markt beflügeln, der mehr als 100.000 Arbeitsplätze
schaffen wird."
Die Entscheidung der Europäischen Union für das 3,2 Milliarden-
Euro-Projekt Galileo ist auch eine Entscheidung für die zunehmende
wirtschaftliche Unabhängigkeit Europas.
Navigation und Bestimmung von Standorten mit Hilfe von Satelliten
gilt als der große Wachstumsmarkt der kommenden Jahrzehnte.
Zuverlässige Navigation wird nicht nur den Verkehr zu Luft, Wasser
und auf der Straße besser und sicherer machen, sondern auch der
Schonung der Umwelt neue Impulse geben und außerdem eine Fülle
innovativer Dienstleistungen mit sich bringen.
Volkswirtschaftlicher Nutzen allein für Europa beläuft sich auf
rund 74 Mrd. Euro bis 2020
"Die Perspektiven für den neuen Wachstumsmarkt sind enorm",
erklärt Dr. Klaus Enßlin. Allein in Europa sollen nach einer Studie
der Europäischen Union bis zum Jahr 2005 rund 100 Millionen Geräte
mit Satellitennavigation ausgestattet sein, zehn Jahre später - 2015
- bereits 260 Millionen. Den gesamtwirtschaftlichen Vorteil allein
für die Staaten der EU beziffert die Studie bis zum Jahr 2020 auf
kumulativ rund 74 Milliarden Euro. Größten Anteil bei den Geräten
werden Massen- und Konsumprodukte wie Mobiltelefone, Kleincomputer
wie Personal Digital Assistants (PDA) oder Systeme zur
Fahrzeug-Navigation haben, aber auch Systeme für die übergeordnete
Verkehrslenkung. Die Nutzung teurer Infrastrukturen wie das Straßen-,
Schienen- oder Flugstraßennetz wird hierdurch besser ausgelastet.
Bedingt durch die Situation, dass es derzeit nur ein
funktionierendes globales Navigationssystem gibt, sind heute
Anwendungen weitgehend ausgeschlossen, die aus Gründen der Personen-
und Betriebssicherheit weitere Navigationssysteme als Redundanz
zwingend erfordern. Eine solche Anwendung ist beispielsweise die
Überwachung und Steuerung von Eisenbahnen und Zügen mit Hilfe von
Satellitennavigation.
"Zivile Nutzer haben heute keine Garantie für Qualität oder
Zuverlässigkeit des Systems", erläutert Evert Dudok, Direktor für den
Bereich Navigation bei Astrium, die Abhängigkeit gegenwärtiger
ziviler und privatwirtschaftlicher Nutzer und Diensteanbieter.
Dass Europa als riesige Wirtschaftszone eine zuverlässige
Navigation aus dem Weltraum braucht, ist unbestritten. Zu groß sind
die Chancen und Möglichkeiten, die sich hierdurch für jeden
Einzelnen, die Gesellschaft und die Wirtschaft ergeben. Navigation
als Positionsbestimmung, Standortinformation und Richtungsempfehlung
werden von den Verkehrsministern der EU daher als Garanten gesehen
für Mobilität, Innovation und Umweltqualität. Allein der durch
Verkehrsstaus auf deutschen Straßen entstehende volkswirtschaftliche
Verlust summiert sich für die Bundesrepublik auf jährlich rund 95
Milliarden Euro.
Höhere Mobilität und Umweltqualität durch Satellitennavigation
Das enorme Innovationspotenzial, das ein 'Global Navigation
Satellite System' (GNSS) ermöglicht, ist heute nur erst in seinen
Umrissen überschaubar. Neben Anwendungen für Verkehrsflußregelung in
Ballungsräumen und auf Autobahnen, dynamischer Routenführung und
Stauumfahrung sind es Notruf- und Sicherheitsdienste,
Frachtmanagement, Zugbeobachtung und Streckenüberwachung für
Eisenbahnen oder auch die Koordination und Beobachtung von
Schiffsbewegungen im Küstenbereich und auf See. Profitieren werden
davon der Flugverkehr ebenso wie Landwirtschaft und Fischerei.
Wenn Galileo planmäßig im Jahr 2008 seinen vollen Betrieb
aufnimmt, werden 30 hochmoderne Navigationssatelliten in 23.300
Kilometer Höhe um die Erde kreisen. Von den Gesamtkosten des Systems
in Höhe von 3,2 Milliarden Euro werden rund 1,1 Milliarden Euro auf
die Entwicklung des Systems entfallen. Mit dem jetzigen Startschuß
für das Projekt verbunden sind auch die ersten 100 Millionen Euro
Finanzierungsmittel der EU für dieses Jahr. Die späteren
Betriebskosten von Galileo sollen sich auf rund 220 Millionen Euro
pro Jahr belaufen.
"Dies ist eine ausgezeichnete Nachricht für die europäische
Industrie," freut sich Armand Carlier, Vorsitzender und
Hauptgeschäftsführer von Astrium, "besonders aber für die Raumfahrt.
Galileo ist ein wichtiges Programm, das auch für den europäischen
Arbeitsmarkt großen Nutzen bietet. Astrium, ein Hauptpartner von
Galileo Industries, letztes Jahr in Brüssel ins Leben gerufen,
unterstützt die Initiative der Europäischen Kommission und wird auch
weiterhin die Entwicklung der unterschiedlichen Phasen des Projektes
unterstützen."
Europas führende Raumfahrtfirma Astrium ist ein
Gemeinschaftsunternehmen, das zu 75 Prozent der EADS und zu 25
Prozent BAE Systems gehört. Es hat 7500 Mitarbeiter und einen
Jahresumsatz von zwei Milliarden Euro, der auf den Gebieten
Wissenschaft und Erdbeobachtung, Telekommunikation, Navigation,
Bodenstationen, Militärische Programme, Trägerraketen und
Raumfahrt-Infrastruktur erzielt wurde.
ots Originaltext: Astrium GmbH
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