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Weitere Infos zur "Atlantik-Brücke" |
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"Die
Bindung an Amerika war wie das zweite Grundgesetz" |
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Walther Leisler Kiep hat den transatlantischen Gedanken auch in schwierigen Zeiten aufrechterhalten Von Fritz Wirth Berlin - Der Brief war scharf, präzise und streng geheim. "Die Regierung der Vereinigten Staaten ist entschlossen, Deutschland so schnell wie möglich in eine enge und feste Bindung mit dem Westen zu bringen. Wir müssen deshalb Verhältnisse schaffen, in denen das Potential Westdeutschlands endgültig dem Potential des Westens hinzugefügt werden kann. Das bedeutet, dass Deutschland nicht nur in die westlichen Organisationen aufgenommen werden muß, sondern so endgültig an den Westen gebunden wird, daß seine künftige Entscheidung zwischen Ost und West unzweifelhaft feststeht." Datum dieses mahnenden und fordernden Briefes: 3. Juli 1950. Sein Autor: Außenminister Dean Acheson. Geschrieben war er an einen Mann, der nicht mehr überzeugt werden mußte: Präsident Harald Truman. Was die Geheimarchive nicht enthüllen: Inspirator und Mitautor dieses Briefes war John McCloy, der "Hohe Kommissar für Deutschland". Der wiederum hatte einen Berater zur Seite, der seit Jahren McCloys Gedanken zum Thema dieses Briefes entscheidend mitprägte. Es war Eric Warburg, der 1938 vor den Nazis in die USA geflohen war und 1945 als amerikanischer Offizier heimkehrte. Zwei Jahre nach diesem Brief - Warburg arbeitete inzwischen wieder als Banker in Hamburg - schuf er jenes Instrument, das der von Dean Acheson beschriebenen Westbindung Deutschlands nicht nur eine feste Orientierung sondern Doppelgleisigkeit gab: die "Atlantik-Brücke". Und seine engsten Helfer waren junge Hamburger Bürger, auf die große Karrieren warteten: Erik Blumenfeld, Marion Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt. Just zum gleichen Zeitpunkt startete ein 26jähriger Mann, ebenfalls aus Hamburg, die erste Amerikareise seines Lebens. Was er in jenen Tagen nicht ahnte: Er sollte einst der intensivste Nutzer und Baumeister dieser Brücke werden - Walther Leisler Kiep. Seit 15 Jahren ist er Präsident dieser Institution. Schlußpunkt einer erstaunlichen und wechselvollen Karriere, die sich zunächst strikt innenpolitisch zu formen schien und mit einem sensationellen Wahlsieg seiner Partei in Hamburg im Jahre 1982 und dem Amt des CDU-Schatzmeisters ihren Höhepunkt erreichte. Doch der Name Leisler Kiep ist seit über drei Jahrhunderten in der amerikanischen Geschichte verankert. Es begann mit Jacob Leisler, der bereits 1650 nach Amerika auswanderte und 1689 Gouverneur von New York wurde. Er geriet zwei Jahre später in diesem Amt in die Wirren der britischen Kolonialherrschaft. Als Leisler sich 1691 weigerte, dem von den Briten entsandten königlichen Gouverneur Platz zu machen, wurde er von den Kolonialherren wegen angeblichen Hochverrats gehängt. Die zweite Amerikatragödie der Familie ereignete sich fast 250 Jahre später. Die Familie Kiep hatte 1933 nach der Machtübernahme der Nazis die Reise Albert Einsteins nach Amerika mit arrangiert. Bei seiner Ankunft in der Neuen Welt hielt Otto Leisler Kiep, der Patenonkel Walther Leisler Kieps und damalige deutsche Generalkonsul in New York, eine Begrüßungsrede für Einstein, die nur aus einem einzigen Satz bestand: "Euer Gewinn, liebe Amerikaner, ist unser Verlust." Die Nazis nahmen es ihm übel, entfernten ihn aus dem Amt, und verdonnerten Otto Kiep zu einer Militärkarriere, die vier Wochen nach dem Hitler-Attentat des 20. Juli 1944 mit der Hinrichtung wegen angeblicher Wehrdienstzersetzung endete. Es blieb Walther Leisler Kiep vorbehalten, dieser Familiengeschichte neue Akzente zu geben. Er tat es nicht mit kalten Programmen, sondern stellte die Menschen beider Länder in den Mittelpunkt seiner Arbeit. Denn die Atlantik-Brücke war stets eine private Organisation. Sie blieb unabhängig, vertrat keine Regierungen, sondern suchte zuerst und vor allem den Zugang zu den Menschen. Den Weg dazu hatten bereits in den ersten Nachkriegsjahren Männer wie John McCloy, Lucius Clay und Eric Warburg geebnet. Denn sie waren es, die nach dem Ende des Krieges der zunächst immer lauter werdenden isolationistischen Formel in den USA "Send the Boys home!" eine Botschaft der Hilfe und Partnerschaft für die Verlierer entgegenstellten. Und so wurden in den letzten fünf Jahrzehnten insgesamt sieben Millionen amerikanische Soldaten zum Schutz der Besiegten und neuen Partner in Deutschland stationiert. Sie wurden zu einem bedeutenden Pfeiler der Atlantik-Brücke, denn sie lernten in dieser Zeit den deutschen Bürger jenseits aller gängigen Schlagworte kennen. Welchen Stellenwert Leisler Kiep dieser Kooperation gibt, wurde bereits vor seinem Antritt als Präsident der Atlantik-Brücke offenbar. Er nannte die deutsch-amerikanischen Beziehungen bereits in den siebziger Jahren "das zweite ungeschriebene Grundgesetz Deutschlands". Dennoch blieb er stets realistisch: "Die deutsch-amerikanischen Beziehungen waren in den letzten Jahrzehnten nicht unbedingt immer eine Liebesgeschichte, doch ich glaube, sie waren insgesamt eine eindrucksvolle Erfolgsstory." Niemals wurde das deutlicher als im Golfkrieg. Als die ersten Bomben auf den Irak niedergingen, reagierte Bonn zunächst mit eisigem Schweigen. In diese schmerzhafte und ratlose Situation hinein lancierte Kieps Atlantik-Brücke eine Anzeigenkampagne, die zur Solidarität mit Amerika aufrief. "Sie führte eine Wende herbei", erinnert sich Leisler Kiep, "und einer der ersten, der diesen Solidaritätsaufruf unterschrieb, war Willy Brandt". Leisler Kiep ist heute sicher: Ohne die Westbindung Deutschlands hätte es niemals eine Wiedervereinigung gegeben. Und einen Mann wie George Bush, der im Mai 1989 Deutschland zur "Partnerschaft in gemeinsamer Führung" eingeladen hatte, knappe zwei Jahre später im Stich zu lassen, wäre unverzeihlich gewesen. "Denn ich weiß nicht, ob sich ohne George Bush jemals das Fenster zur deutschen Wiedervereinigung geöffnet hätte." |
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