Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete!

 

An BSE gebe ich der Regulierung unseres Binnenmarktes ein Grossteil Schuld mit. Wir müssen umdenken, was wie wo durch wen reguliert werden darf. Der sensible Lebensmittelbereich jedenfalls muss völlig neu überdacht werden. Ich bin heute froh, die Osterweiterung noch nicht weiter fortgeschritten zu sehen. Unvorstellbar, wenn auch noch die agrarstarken Beitrittsländer von diesem Skandal mit betroffen gewesen wären...

Lesen Sie bitte den demnächst hier vollständig eingestellten Bericht von Stephen Dealler, der letzte Woche in der FAZ veröffentlicht war und daher manchen von Ihnen vielleicht schon bekannt ist. Er beginnt mit:

"Großbritannien ist einfach zu klein für seine Bevölkerung. Nach dem Krieg produzierte das Land nur die Hälfte der benötigten Nahrungsmittel, daher wurde Rindfleisch in großen Mengen importiert. Die Europäische Union, eine aggressive Förderungspolitik der britischen Regierung zur Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktion, die Verwendung neuartiger Futtermittel und gezielte Zuchtbemühungen führten dazu, daß Großbritannien 1990 Überschüsse produzierte. Die Regierung finanzierte fast die gesamte Forschung, unterhielt Zuchtanstalten, leitete Bauern und Tierfutterhersteller an. 1979 erkannte man, daß eiweißreiches Futter im Magen der Kühe nicht zerstört, sondern anschließend im Darm absorbiert wird, so daß es eine Erhöhung der Milch- und Fleischproduktion bewirken kann..."

Meine sehr verehrten Damen und Herren Abgeordnete, bei einer solchen Erkenntnis verbietet sich eigentlich jeglicher Versuch der Marktregulierung. Viel zu hoch der Versuch des Betruges, der Korruption, des unlauteren Handels - hohe Subventionen der Gemeinschaft lockten die Agrarwirtschaft, der Machtkampf der Preispolitik innerhalb der EU-Staaten untereinander entbrannte. Wie wir heute an Weihnachten 2000 erkennen müssen, hat es uns in Abgründe geführt, die wir nicht einmal zu erahnen vermögen.

Kehren wir um - nutzen wir unser Wissen zum Segen und nicht zum Fluch der Menschheit. England schickt sich an, Embryonen-Stammzellen zu klonen. Man stelle sich das und die Osterweiterung weiter betrieben unter den heute bekannten BSE-Umständen vor, nicht auszudenken, welch russisches Roulette wir in Europa spielen.

Mein Weihnachtswunsch heisst Einkehr und Umkehr - zum Wohle der Schöpfung. Sie zu bewahren ist unser Auftrag, nicht, sie zu vernichten, schon gar nicht unsere Jugend, die durch BSE ja in besonderem Masse betroffen sein wird. Wie stehen wir von ihnen und unserem Schöpfer da?

 

Mit diesen nachdenklichen Worten verabschiede ich mich in die christliche Weihnachtszeit - möge Gott uns beistehen. Gudrun Seidl, Weihnachten 2000