Berliner Morgenpost Sonnabend, 23. August 1997

Und wieder BSE - Von Gerold Osterloh


Der Agrarmarkt in Europa lebt mit Ge- und Verboten. Wenn der Handel dabei Umwege einschlägt, um den Verbraucher zu erreichen, darf sich niemand wundern. Hundertprozentige Kontrollen kann es niemals gegen. Die neue Affäre in Deutschland um britisches Rindfleisch, für das wegen der BSE-Gefahr ein Exportverbot aus England gilt, kommt nicht überraschend. Wer kann sagen, ob es nicht noch weitere Umgehungen des Vermarktungsverbotes gibt?

Eines ist sicher: Auf einen Stempel mit der Herkunft des Fleisches kann sich keiner verlassen. Wenn Irland draufsteht, kann das Fleisch genauso gut aus England kommen. Zu lösen wären solche Umgehungen nur, wenn die Briten konsequent bei ihren Exporten wären. Darauf kann keiner zählen, insbesondere auch deshalb nicht, weil London das Exportverbot für überzogen hält und Lieferungen an andere Länder außerhalb der EU erlaubt.

Was bleibt, ist die politische Aufregung. Der Ruf nach einer konsequenteren Überprüfung durch die EU-Behörden wird wenig bringen. Es wäre schon viel gewonnen, wenn wenigstens die Instanzen in Deutschland untereinander stärker bei der Kontrolle kooperieren. Nur so können bei Verdacht schnell verbotene Importe aufgespürt und der Verbaucher möglicherweise noch vor Verzehr geschützt werden. Diesmal war dies nur noch teilweise möglich, weil der Großteil des britischen Fleisches längst verarbeitet und gegessen war.

Nur wer Rindfleisch aus inländischer Herkunft kauft, ist heute ziemlich sicher vor gesundheitlichen Gefahren. Die großen Handelsketten in Berlin haben seit dem Rinder-Skandal in England fast nur noch Rindfleisch aus Brandenburg im Angebot. Berlin ist denn auch von der neuen Affäre nicht betroffen.

 

Die eigentlich Verantwortlichen, daran gilt es immer wieder zu erinnern, bleiben aber skrupellose Schlächter und Händler, die verbotenes Fleisch in Umlauf bringen.