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Berliner Morgenpost online Montag, 09. August 1999 |
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Ist BSE eine Folge von Experimenten mit Hormonen? |
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Ist der BSE-Skandal in England durch wissenschaftliche Experimente entstanden und nicht -wie bisher angenommen - durch falsche Fütterung? Das behaupteten jetzt Wissenschaftler in der britischen Sonntagszeitung «Observer». Ein Jahr lang forschte Anne Maddocks, eine Wissenschaftlerin, die vor ihrem Ruhestand als Spezialistin für Infektionen am Londoner St. Mary's Hospital arbeitete. Ihre Theorie: Die BSE-Epidemie entstand, als Wissenschaftler versuchten, eine neue Super-Kuh hervorzubringen, indem sie Kühen Hormone aus der Hirnanhangdrüse von Schlachtkadavern injizierten. Mit diesen Experimenten in den 80er Jahren könnte die Rinderkrankheit BSE ausgelöst worden sein. Es wird vermutet, dass sie mit dem Tod von inzwischen 43 Creutzfeldt-Jacob-Patienten in Verbindung steht. Als Beweis für ihre Theorie führt die Wissenschaftlerin Versuche an Menschen an, die fast zeitgleich stattfanden, aber zuvor noch nie mit BSE in Zusammenhang gebracht wurden. Damals habe man kleinwüchsigen Kindern Hormone der Hirnanhangdrüse von menschlichen Leichnamen injiziert, um das Wachstum zu fördern. Die Experimente seien fehlgeschlagen, drei der Kinder an der Creutzfeldt-Jacob-Krankheit gestorben. Ein weiterer Beweis für diese Theorie seien vier tote Frauen in Australien. Hier entdeckten Forscher, dass ein Hormon aus der Hirnanhangdrüse, bekannt als Gonadotrophin, die Eierstöcke von unfruchtbaren Frauen stimulieren kann. Aber nach der Behandlung mit dem Hormon seien die Frauen 1989 an der Creutzfeldt-Jacob-Krankheit gestorben. Anne Maddocks hält diese Vorkommnisse keineswegs für Zufälle. «Der vielversprechende Gebrauch von Hormonen aus der Hirnanhangdrüse führte offensichtlich bei Rindern in derselben Art zu BSE, wie sie bei Menschen zu Creutzfeldt-Jakob führte.» Verbreitung noch nicht überschaubar Auch Joanna Wheatley, eine Wissenschaftlerin des Chemie-Unternehmens Imperial Chemical Industries (ICI), die inzwischen selber eine Rinderfarm besitzt, in der die Tiere nach den Richtlinien biologisch-dynamischer Aufzucht gehalten werden, glaubt an die Theorie. Sie erinnert sich, daß die Schlachthöfe früher häufig Hirnanhangdrüsen an Tierärzte und Wissenschaftler verkauften. Auch Professor Malcolm Ferguson-Smith von der Universität in Cambridge und Mitglied des staatlichen Untersuchungskomittees über BSE, ist von der Theorie überzeugt. Indessen warnte BSE-Spezialist Sir John Pattison, der wissenschaftliche Berater der Regierung in Sachen BSE, dass es noch mindestens ein Jahrzehnt dauern könne, bis man die Folgen der Krise überhaupt erfassen kann. Pattison: «Wir wissen nicht, ob wir bei der Creutzfeldt-Jacob-Variante mit den jetzigen Zahlen oder mit sechs- bis siebenstelligen Zahlen rechnen müssen.» SAD |
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