BSE-Krise: Fischer räumt
Panne ein (Kommentar
cenjur)
Bundesgesundheitsministerin
Andrea Fischer (Grüne) hat eine Panne in ihrem Ministerium im
Zusammenhang mit der BSE-Krise eingeräumt. Eine Warnung der Bundesanstalt
für Fleischforschung vor maschinell vom Rückenmarksknochen getrenntem
Fleisch habe bereits vor rund einer Woche vorgelegen, sagte Fischer. Rücktrittsforderungen
der FDP wies sie zurück.
Sie habe von dem Brief erst
am frühen Mittwochabend erfahren und daraufhin umgehend Wursthersteller
und Handel aufgefordert, bestimmte Wurstwaren aus den Regalen zu nehmen,
sagte Fischer.
"Ich bin hoch verärgert"
Noch einen Tag zuvor hatte
sie derartige Waren als unbedenklich bezeichnet. Separatorenfleisch aus
dem Bereich der Wirbelsäule gilt deshalb als gefährlich, weil
darin Knochenmark oder Rückgratsplitter enthalten sein können.
Bei BSE-infizierten Tieren konzentrieren sich die Krankheitserreger im
Rückenmark und im Gehirn. Nach Ansicht von Wissenschaftlern ist die
Rinderseuche Ursache für eine neue, für den Menschen tödliche
Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit. Fischer bedauerte die Panne in ihrem
Ministerium. "Ich bin hoch verärgert", sagte die Ministerin. Sie habe
eine Prüfung eingeleitet. Gegebenenfalls würden die Beamten zur
Rechenschaft gezogen.
Rücktrittsforderung
Nach Fischers Worten ist
der Brief der Bundesanstalt für Fleischforschung am 5. Dezember geschrieben
und an das Bundeslandwirtschaftsministerium gerichtet gewesen. In ihrem
Haus sei das Schreiben am 13. Dezember angelangt. Die Ministerin wies eine
Rücktrittsforderung der verbraucherpolitischen Sprecherin der FDP,
Gudrun Kopp, zurück: "Eine Rückstrittsforderung verliert ihre
Bedrohlichkeit, je öfter sie erhoben wird." Kanzler Gerhard Schröder
betonte, Fischer habe seine "volle Unterstützung".
Wurst bleibt in den Läden
Das Ministerium sieht nach
eigenen Angaben keine Möglichkeit, mit einer Eilverordnung die betroffenen
Wurstwaren aus den Läden räumen zu lassen. Dazu fehle es an der
zwingenden Voraussetzung der "Gefahr im Verzuge". Die Rücknahmeforderung
Fischers gilt für bestimmte Wurstwaren wie Koch- und Brühwürste,
die vor dem 1. Oktober 2000 produziert wurden und das maschinell von Rinderknochen
getrennte Fleisch enthalten könnten. Seither darf dieses Fleisch nicht
mehr verarbeitet werden.
Der fünfte BSE-Fall
in Deutschland
In Tests der Bundesforschungsanstalt
für Viruserkrankungen der Tiere (BFAV) bestätigte sich auch der
jüngste Verdachtsfall. Damit ist die Zahl der BSE-Fälle in Deutschland
auf fünf angewachsen. Zuvor waren Rinder aus dem Allgäu und dem
Landkreis Cham positiv auf BSE getestet worden. Den ersten bekannt gewordenen
Fall hatte es in Schleswig-Holstein gegeben.
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