Kiep Walther Leisler

deutscher Politiker; CDU-Schatzmeister (1971-1992)

GEBURTSORT Hamburg

GEBURTSDATUM 05. Januar 1926

 

c/o Gradmann & Holler, Lyoner Str. 26, 60528 Frankfurt/M.

 Tel.: 069/66 76-600; FAX: 66 76-602

Herkunft:

Walther Leisler Kiep, ev., wurde am 5. Jan. 1926 in Hamburg geboren. Sein Vater, später Präsident des Hessischen Roten Kreuzes und zuletzt Generaldirektor der Hamburger Landesbank, war damals Vorstandsmitglied der "Hapag". Die Mutter, eine geborene vom Rath, entstammte einer nationalliberalen Familie; ihr Vater war Abgeordneter im preußischen Landtag und ein Freund Otto von Bismarcks. Ein Onkel K.s kämpfte im Widerstand gegen Hitler, ein Urgroßvater war Mitgründer der Farbwerke Hoechst. K.s zweiter Vornamen geht auf Jacob Leisler zurück, der 1650 nach Amerika ausgewandert und 1689-1691 Gouverneur von New York war. K.s Tante, die FDP-Politikerin Dr. Emilie Kiep-Altenloh, wurde gern als ,,große alte Dame des Liberalismus" apostrophiert. Sie gehörte von 1961-1965 dem Bundestag an.

 

Ausbildung:

K. besuchte die Schulen in Hamburg und Istanbul (bis 1939) und machte 1943 Abitur in Frankfurt/M. Es folgten Arbeits- und Wehrdienst bis 1945. Nach dem Krieg studierte K. Geschichte und Volkswirtschaft (ohne Abschluß). Eine kaufmännische Lehre absolvierte er bei der Metallgesellschaft AG in Frankfurt/M.

 

Karriere:

K. arbeitete zunächst als Autoverkäufer bei Ford, dann (1948- 1955) bei der lnsurance Company of North America (zuletzt als Hauptbevollmächtigter für Deutschland). Von 1955 an war er in der Gradmann und Holler-Gruppe, einer Versicherungs- und Rückversicherungsgesellschaft, tätig und bis 1976 geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Seine 15%-Beteiligung wurde bei seinem Eintritt in den Deutschen Bundestag auf 10 % reduziert. Er ist heute persönlich haftender Gesellschafter.

 

Der CDU hatte sich K. 1961 angeschlossen. Bekannt wurde der junge Millionär besonders durch seinen ,,amerikanisch" geführten Bundestagswahlkampf von 1965, den er im Wahlkreis 135 (Obertaunuskreis) gegen seinen SPD-Konkurrenten Gscheidle gewann. K. war 1965-1969 Vorsitzender des Entwicklungshilfe-Ausschusses. 1969 konnte er zwar den höchsten persönlichen Stimmenüberschuß aller CDU-Abgeordneten verbuchen, kam aber nur über die Landesliste in den 6. Bundestag (ebenso 1972 in den 7. Bundestag). 1967-1 976 war K. Präsidiumsmitglied der hessischen CDU und Landesschatzmeister.

 

Seit 1969 konzentrierte K. seine Arbeit im Bundestag auf die Außenpolitik und Fragen der Entwicklungshilfe. Im Frühjahr 1971 wurde er Beauftragter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Wahrnehmung internationaler Kontakte.

 

Auf dem Saarbrücker Bundesparteitag der CDU wählte man K. am 5. Okt. 1971 in das Schatzmeisteramt der Bundespartei, das er damals von Kurt Schmückers übernahm. In dieser Funktion war K. auch Mitglied des CDU- Bundespräsidiums.

 

Seinen politischen Standort definiert K. gerne als ,,weltoffen liberal". Er sprach sich in der Auseinandersetzung um die Ostpolitik Ende 1972 für ein Ja der CDU zum Grundvertrag aus und stimmte 1973 - abweichend von der CDU-Mehrheit -entsprechend. Später, im Febr. 1976 bei der Abstimmung über die Polenverträge, gehörte er auch zu jenen 15 Unionsabgeordneten des Bundestages, die mit Ja votierten.

 

Während K.s Tätigkeit als Schatzmeister Anerkennung der CDU fand, stieß seine außenpolitische Position innerhalb der Unionsparteien immer wieder auf Kritik. Seine Funktion als außenpolitischer Sprecher (ab 1973) verlor K. im Sommer 1975 weil das CDU-Präsidium auf dem Mannheimer Parteitag auf diese Funktion für die verschiedenen Sachgebiete der Politik verzichtete.

 

Mitte Febr. 1976 trat K. als Finanzminister in die Regierung von Ernst Albrecht in Niedersachsen ein und begründete dies mit der Absicht, den neugebildeten ,,CDU-Brückenkopf in Niedersachsen" stärken und gleichzeitig einen Beitrag zur Wiederannäherung zwischen CDU und FDP leisten zu wollen. K.s Wechsel nach Hannover zog den Verzicht auf das Bundestagsmandat, den Rücktritt als CDU-Landesschatzmeister in Hessen und die Aufgabe seiner Bundestagskandidatur auf der hessischen CDU- Landesliste nach sich.

 

Neben seiner Ressortarbeit widmete sich K. nach wie vor der Außenpolitik. Die guten internationalen Kontakte, vor allem zu amerikanischen Politikern und Finanzkreisen, und das Verhandlungsgeschick des unorthodoxen Außenpolitikers machten ihn zu einem überall gefragten Gast: Im Febr. 1978 führte K. wichtige politische Gespräche in Moskau, einen privaten Besuch des Ev. Kirchentages (2./3.6.78) in Erfurt verband er mit einem Treffen mit SED- Zentralkomitee-Mitglied, Prof. Herbert Häber. Im März 1979 beauftragte Bundeskanzler Schmidt K., die Finanzhilfe des Westens für die damals nahezu bankrotte Türkei zu organisieren.

 

In der Vorphase des Bundestagswahlkampfes 1980 ließ sich K. etwas überraschend als CDU-Spitzenkandidat in Niedersachsen nominieren. Unionskanzlerkandidat Franz Josef Strauß nahm ihn auch in seine "Kernmannschaft" auf, in der K. als Schattenaußenminister galt. Im Wahlkampf forderte K. die FDP zu einer Koalition mit der CDU/CSU auf.

 

Die Bundestagswahl vom 5. Okt. 1980 bestätigte indes die sozialliberale Regierungskoalition, die dank beträchtlicher Zugewinne der FDP ihre Mehrheit noch ausbauen konnte. In Niedersachsen dagegen ging der CDU- Anteil überproportional auf 39,8 % (1976: 45,7 %) zurück. K. gab nach der Bundestagswahl das niedersächsische Finanzministerium auf und kehrte in den Bundestag zurück. Er wurde dort einer der stellv. Vorsitzenden, einer der Wirtschaftssprecher der Fraktion und als Schatzmeister der CDU im März 1981 eindrucksvoll bestätigt.

 

Im Aug. 1981 nominierte die Hamburger CDU K. als Spitzenkandidat für die Bürgerschaftswahlen von 1982. Sein Wahlziel war die "liberale Erneuerung Hamburgs unter Führung der Union". Nach einem engagierten Wahlkampf, den K. mit fast amerikanischer Repräsentationstechnik betrieb, wurde die CDU bei der Bürgerschaftswahl vom 6. Juni 1982 mit 43,2 % (1978: 37,6 %) stärkste Partei vor der SPD, die auf 42,7 % (1978: 51,5 %) zurückfiel. Die FDP blieb wieder unterhalb der 5 %-Grenze, während die GAL (Grün- Alternative Liste) mit 7,7 % der Stimmen einen sensationellen Erfolg erzielte. Da beide großen Parteien mangels Koalitionspartner keine regierungsfähige Mehrheit zusammenbringen konnten, amtierte der Senat unter von Dohnanyis Führung bis zu den Bürgerschafts-Neuwahlen vom 19. Dez. 1982 weiter. Mit 51,3 % schaffte die SPD diesmal die absolute Mehrheit (CDU 38,6 %) und stellte erneut die Regierung. K. trat zunächst sein Hamburger Bürgerschaftsmandat an, verzichtete aber auf die Rolle des Oppositionsführers. Im April 1983 gab er das Bürgerschaftsmandat zurück.

 

K. blieb CDU-Präsidiumsmitglied und Schatzmeister der Bundespartei (zuletzt 1989 bestätigt). Für den hohen Schuldenstand von 75 Mio. DM machte er im Sept. 1989 die drastisch zurückgegangenen Spenden sowie die interne Verteilung der Einnahmen zwischen Orts-, Landes- und Bundesverband verantwortlich.

 

In seiner Funktion als Schatzmeister mußte sich K. nach jahrelangen Ermittlungen im Rahmen der Parteispendenaffäre (seit 1981) und einer Reihe einschlägiger Prozesse im Mai 1990 dem Vorwurf stellen, im Zusammenhang mit zahlreichen Parteispenden fortgesetzt Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet zu haben. Er wurde zusammen mit seinem Generalbevollmächtigten Uwe Lüthge angeklagt. Der letzte große Parteispendenprozeß vor der 3. Strafkammer des Düsseldorfer Landgerichts dauerte bis Mai 1991 und endete mit einer Verurteilung K.s zu einer Geldstrafe von 675.000 DM wegen der "fortgesetzten Beihilfe der Steuerhinterziehung". Der 5. Strafsenat des Bundesgerichtshofes hob im Okt. 1992 die Verurteilung K.s wegen schwerer "Rechts- und Verfahrensmängel" auf.

 

Wie lange erwartet, kam es im Okt. 1992 auf dem Düsseldorfer CDU- Parteitag zu einer Neubesetzung des Schatzmeisterpostens: K. gab nach 21 Jahren Amtszeit (offiziell auf eigenen Wunsch) die Zuständigkeiten für die Parteifinanzen an die parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Frau Brigitte Baumeister, ab. Bundeskanzler Kohl hatte die Böblinger Diplommathematikerin für dieses Amt vorgeschlagen, und der Parteitag wählte sie Ende Okt. mit 98,6 % der Stimmen auf diesen Posten. K. ist seither als CDU-Beauftragter für die deutsch- amerikanischen Beziehungen zuständig.

 

10. Mai 1999 (MA-Journal) - Die SZ berichtet, daß der frühere Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium und ehemalige Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz, Holger Pfahls (CSU), wegen Verdachts auf einen Hirnschlag am 7.5.1999 in ein Militärkrankenhaus in Taipeh eingeliefert worden sei. Pfahls wird von den Behörden mit Haftbefehl in der Affäre um den Spürpanzer "Fuchs" gesucht. Sein Anwalt teilte der SZ mit, er wolle sich nach der Entlassung aus dem Krankenhaus den deutschen Behörden stellen. In die Affäre sind nach Angaben des Handelsblatts außerdem zwei Thyssen-Manager verstrickt, die insgesamt 12,5 Mio. DM Schmiergelder kassiert haben sollen. Schmiergelder zwischen 500.000 und 3,8 Mio. sollen außerdem an den ehemaligen Wirtschaftsstaatssekretär Erich Riedl (CSU), den ehemaligen CDU- Schatzmeister Walter Leisler Kiep und Max Strauß, den Sohn von Franz- Josef Strauß, geflossen sein.

 

26. Juli 1999 (MA-Journal) - Die FAZ meldet unter Berufung auf die Zeitschrift ,,Focus", daß Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den früheren CDU-Schatzmeister Walther Leisler Kiep als persönlichen Beauftragten für Sondermissionen im Ausland verpflichtet habe. Kiep, der als Freund des türkischen Ministerpräsidenten Bülent Ecevit gilt, soll die Beziehungen zur Türkei verbessern helfen. Schon 1979 hatte er im Auftrag des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt (SPD) die westliche Finanzhilfe für die Türkei organisiert.

 

MITGLIEDSCHAFTEN

Mitgliedschaften/Ämter u. a.: K. ist AR-Vorsitzender der Deutschen ICI GmbH, Frankfurt (seit 1987; seit 1982 Non-Executive Director im Board der Muttergesellschaft ICI PLC, London) und des Rüstungsdienstleisters ,,lndustrieanlagen-Betriebs-GmbH" (IABG) in Ottobrunn (seit 2/1994) sowie AR-Mitglied der Glunz AG, Hamm (seit 1989) und des Volkswagenkonzerns. Er führt seit 1984 den Vorsitz der Atlantik-Brücke. Zum 1. Sept. 1994 wurde er in das Amt des Präsidenten der European Business School in Oestrich-Winkel gewählt.

 

März 1997 (MA-Journal) - Der VW-Aufsichtsratsvorsitzende Liesen teilt mit, daß die Aufsichtsratsmitglieder Hahn, Lambsdorff und Leisler Kiep mit der Hauptversammlung am 19.6.1997 ausscheiden werden. Als ein Nachfolger gilt Gerhard Cromme."

 

QUELLE:

Munzinger-Archiv / internationales Biographisches Archiv

Anmerkung cenjur: interessant, dass sich in dieser ausgezeichneten Munzinger-Biographie nichts über Kieps Ehefrau Charlotte, geborene ter Meer, findet. Weil sie eine geborene ter Meer ist?