Was ist zu tun bei einem nuklearen Notfall (erste Notfallhinweise für das anstehende Jahr-2000-Problem
am 31.12.1999/01.01.2000 und 29.02.2000?
Die Bevölkerung wird durch Lautsprecherwagen und durch den Rundfunk informiert und gewarnt. Die Lautsprecherdurchsagen können nur kurz sein; deshlab sollten Sie sofort das Radio einschalten und einen regionalen Verkehrsfunksender einstellen. Alle Informationen sollen weitergegeben werden, zum Beispiel an Familienangehörige oder Nachbarn. Vermeiden Sie Rückfragen bei der Polizei, Feuerwehr oder der Katastrophenschutzbehörde, weil sonst Telefonleitungen blockiert würden.

Aufenthalt im Haus

Bei der Freisetzung von Radioaktivität kommt es darauf an, sich und andere vor der Strahlung zu schützen. Eine der einfachsten und wirksamsten Massnahmen ist es, Schutz in festen Gebäuden zu suchen. Die Gründe sind einleuchtend:

Mauern, Decken und Erdreich schwächen die Strahlung, die von einer radioaktiven Wolke ausgeht. Ein innenliegender Kellerraum bietet daher den besten Schutz. Während des Durchzuges einer radioaktiven Wolke verhindern geschlossene Fenster und Türen weitgehend das Eindringen von radioaktiven Stoffen. Deshalb ist in einem Gefahrenfall schon früh mit der Aufforderung zu rechnen, die Häuser aufzusuchen und nicht zu verlassen.

Wer sich während des Durchzuges einer radioaktiven Wolke im freien aufgehalten hat, muss damit rechnen, dass radioaktive Stoffe an Kleidung, Kopf, Händen und anderen unbedeckten Körperteilen haften; die Fachleute sprechen von Kontamination. Oberbekleidung und Schuhe sollten daher im Haus abgelegt und möglichst in Plastiktüten gesammelt werden. Die unbedeckten Körperteile sollten dann gewaschen werden. Schützen Sie dabei die Augen!

Merke:

  • ohne Schutz sind Sie bei geöffneten Fenstern oder Türen
  • 10-facher Schutz im innern des Hauses
  • 2- bis 5facher Schutz bei geschlossenen Fenstern und Türen
  • 100facher Schutz in Kellerräumen!

  • Leitungswasser kann ohne Bedenken benutzt und auch getrunken werden. Auch im Haus gelagerte Lebensmittel, zum Beispiel Konserven, können verzehrt werden. Meiden Sie dagegen Lebensmittel, die in der kontaminierten Region im Garten oder auf Feldern geerntet wurden.

    Einnahme von Jodtabletten

    Unter den "Spaltprodukten", die bei einem schweren Unfall freigesetzt würden, spielt das radioaktive Jod eine besondere Rolle, denn es wird speziell in der Schilddrüse eingelagert und bestrahlt diese in besonderem Maße. Radioaktives Jod kann sowohl über kontaminierte Nahrung als auch über die Atemluft in den Körper gelangen.

    Durch die Einnahme von nicht-radioaktivem Jod in Form von Jodtabletten kann man aber erreichen, daß radioaktives Jod nicht oder nur wenig in die Schilddrüse eingelagert, sondern bald wieder ausgeschieden wird: Dadurch wird die Schilddrüse gesättigt und für die Aufnahme von weiterem Jod blockiert - etwa so wie ein nasser Schwamm, der kaum noch weiteres Wasser aufnehmen kann. Natürlich ist die Schutzwirkung am größten, wenn die Jodtabletten eingenommen werden, bevor man in die Gefahr gerät, radioaktives Jod einzuatmen. Aber auch bei einer etwas späteren Einnahme wird noch ein deutlicher Schutz erreicht.

    Jodtabletten erhalten Sie in der Apotheke oder diese werden bei Bedarf von der Polizei an die Bevölkerung verteilt. Die Packungsstreifen enthalten - wie bei jeder Medizin - einen Beipackzettel mit genauen Hinweisen zur Einnahme und Dosierung. Dabei kommt es auf die richtige Dosierung und den richtigen Zeitpunkt an. Und: wie jedes Medikament können Jodtabletten im Einzelfall Nebenwirkungen haben. Deshalb sollten Sie auf keinen Fall rein vorsorglich und ohne ausdrückliche Aufforderung der Behörden eingenommen werden!

    Evakuierung

    Die einschneidendste Maßnahme bei einem nuklearen Unfall ist zweifellos die Evakuierung. Für bestimmte Einrichtungen, z.B. Krankenhäuser, kann sie erhebliche Probleme bereiten; deshalb würde eine solche Anweisung immer erst nach sorgfältiger Abwägung der Risiken getroffen werden, wenn alle anderen Maßnahmen nicht ausreichen. Welche Gebiete zu welchem Zeitpunkt evakuiert werden müssen, hängt ausschließlich von der konkreten Unfallsituation ab.

    Wurde die Evakuierung Ihres Wohngebietes angeordnet, dann:

  • Beachten Sie die Durchsagen von Polizei, Feuerwehr und Rundfunk
  • Packen Sie das Notwendigste für zwei bis drei Tage ein, vor allem ärztlich verordnete Medikamente, Geld und Ausweise.
  • Je nach Lage der Dinge können Sie aufgefordert werden, eine eigens eingerichtete Notfallstation aufzusuchen, in der sie auf Kontamination untersucht werden.
  • Der Katatstrophenschutzplan enthält eine Aufstellung aller erforderlichen Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei, Technischem Hilfswerk und der medizinischen Hilfsdienste. Die Fahrtrouten und die Auffangorte für die Evakuierung sind ebenso beschrieben wie die Lagerorte für Jodtabletten.
  • Einbettung in überregionales Hilfssystem
  • Die im Katastrophenschutzplan geregelten Schutzvorkehrungen der Kreisbehörden sind eingebettet in ein umfassendes nationales und internationales System von Schutzvorkehrungen. Dadurch ist gewährleistet, daß bei einem Gefahrenfall die vor Ort tätigen Einsatzkräfte jede erdenkliche Hilfe durch das betreffenden Bundesländer und die Bundesregierung bekämen. Durch das Zusammenwirken der verschiedenen Behörden beim Katastrophenschutz und Ihr richtiges Verhalten wird auch im Falle der hier unterstellten hypothetischen Ereignisse ein größtmöglicher Schutz für Sie erreicht.

    Achtung:
    Im Merkblatt sind nochmals die wichtigsten Stichworte und Begriffe erklärend zusammengefaßt.

    Herausgeber: Forschungszentrum Jülich GmbH, 52425 Jülich, Mai 1998